LogOut: Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien

 
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Von Frank am 2016-12-21 11:01:03
In aller Regel sind diejenigen am schlechtesten auf den Computer und auf das Internet zu sprechen, die davon am wenigsten verstehen. Clifford Stoll ist die Ausnahme von der Regel. Als Astronom hat er tagtäglich mit Computern zu tun, er schreibt seit Jahrzehnten Computerprogramme, und das "Arpanet", einen Vorläufer des Internet, hat er selbst mitbegründet. Für Stoll besteht trotzdem kein Anlass, über die technischen Errungenschaften des digitalen Zeitalters in Jubel auszubrechen. Seiner Auffassung nach verursachen die digitalen Medien inzwischen soziale Kosten, die in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen. Für dieses Missverhältnis macht er in erster Linie die Propagandisten und Ideologen des Internet verantwortlich. Ihnen wirft er vor, mit ihren Heilsbotschaften grotesk übersteigerte Erwartungen und Hoffnungen geweckt zu haben. Die Gegenwart - so ist heute immer wieder zu hören - ist das Zeitalter, in dem Materie mehr und mehr durch Information ersetzt wird. Informationen sollen mittlerweile zur wichtigsten Produktivkraft und zum wichtigsten Kapital geworden sein. Im Informationszeitalter, heißt es, ist mächtig, wer über viele und schnelle Informationen verfügt, wohingegen alle, die nicht an sie herankommen können, das Spiel von vornherein verloren haben. Gäbe es da nicht den Computer und das Internet. Sie verschaffen angeblich allen den unbeschränkten Zugang zum gesamten Universum der Information. Die große Zeit des lebenslangen Lernens ist damit angebrochen. Und deshalb darf nicht eher innegehalten werden, als bis das letzte Klassenzimmer und der letzte Kindergarten restlos verkabelt worden sind. So kann dann mehr und mehr Wissen in mehr und mehr Köpfe gelangen. Die Welt wird von Tag zu Tag klüger und besser. Und die Menschheit geht herrlichen Zeiten entgegen. Für Clifford Stoll ist alles, was hier behauptet, unterstellt und verheißen wird, bloßer Humbug und Schwindel. Die Informationen, die das Internet liefert, hält er zum Großteil für Datenschrott. Er bestreitet, dass Macht irgend etwas mit Informationen zu tun hat. Und Kindergärten und Klassenzimmer sind für ihn Orte, wo Computer absolut nicht hingehören. «Ein Internet-Anschluss», sagt Stoll, «ist die beste Garantie, zum Trottel zu werden.» Eigentlich - sagt Stoll - müsste einem schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass das Internet einen Pferdefuß hat. Warum bietet es Informationen, die schließlich nichts anderes als gewöhnliche Waren sind, kostenlos an? Stolls Antwort: Weil diese Produkte samt und sonders keinen ökonomischen Wert haben und schlicht unverkäuflich sind. Ihr Löwenanteil besteht aus Ramsch, Werbebotschaften und Rohdaten, in denen keine Arbeit verkörpert ist. Hin und wieder stößt man vielleicht auf Informationen, denen ein gewisser Nutzen nicht abzusprechen ist. Aber in diesem Fall handelt es sich um solche, die sowieso schon öffentlich zugänglich sind. Und deshalb lässt sich mit ihnen auch kein Geld verdienen. Daten - sagt Stoll - sind noch längst keine Informationen, und Informationen sind noch längst kein Wissen. Erst organisiertes Wissen in Gestalt von Erzählungen, Theorien und Weltbildern ist geeignet, das Denken und Handeln zu steuern. Aber ob Daten, Informationen oder Wissen - dass aus dem Zugang zu ihnen gesellschaftliche Macht erwachsen soll, hält Stoll für eine absurde Vorstellung. Wenn es so wäre, müssten ausgerechnet die Bibliothekare ungeheuer mächtig sein. Doch wer ist in Wahrheit mächtig? Die Politiker natürlich, antwortet Stoll -, und die seien nicht gerade bekannt dafür, gut informiert zu sein. Im Gegensatz zu Erwachsenen kommen Kinder mit dem Computer ausgesprochen leicht zurecht. Was hat es dann für einen Sinn, mit dem Computerunterricht so früh wie irgend möglich zu beginnen? Überhaupt keinen, behauptet Stoll. Schlimmer noch: Man richtet damit nur Unheil an. Denn der Computer erschwert es den Kindern, ihre sozialen Fähigkeiten zu entwickeln. Er lässt sie Erfahrungen mit der virtuellen Welt machen, bevor sie die reale Welt richtig kennengelernt haben. Er verspricht ein Lernen ohne Anstrengung, aber mit seinen "interaktiven" Sofortbelohnungen fördert er in erster Linie die geistige Trägheit und Unselbständigkeit. Er ersetzt Naturbeobachtungen und Experimente durch kümmerliche Simulationen und verwandelt die Lehrer in bloße Anhängsel des Multimedia-Bildschirms. Er macht den Schulbüchereien, Chemie- und Physiklabors den Platz streitig. Und er duldet auf seinem Bildschirm zwar fast alles - nur nicht längere und anspruchsvollere Texte. Doch das konzentrierte Lesen solcher Texte ist für Stoll nach wie vor der einzige Weg, der zum Verstehen der Grundlagen von Mathematik, Physik oder Geschichte führt. Es ist leicht, Clifford Stoll anzugreifen. Denn er hat die Neigung, auf die maßlosen Übertreibungen digitaler Heilspropheten mit maßlosen Übertreibungen zu antworten. Aber er ist kein Maschinenstürmer, sondern ein Gesellschaftssatiriker und Mythenzerstörer. Und in den besten - und witzigsten - Kapiteln dieses Buchs trifft dieser charmante Provokateur den Nagel auf den Kopf. Seine Behauptung, dass Wissen nichts mit Macht zu tun habe, sollte er sich allerdings noch einmal überlegen.
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