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Kollaps.Warum Gesellschaften überleben oder untergehen

Kategorie: Überblick
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Medium Gebundene Ausgabe
Seitenzahl 800
Erscheinungsdatum 2005-01-01
Sprache Deutsch
Edition 8
Herausgeber S. Fischer
EAN / ISBN-13 9783100139047
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Frank schreibt:
Im 17, Jahrhundert wuchs Japans Wirtschaft ebenso rapide wie seine Bevölkerung, und das Land geriet in die schwerste Umweltkrise seiner Geschichte. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts hatte es ein Viertel seines Territoriums abgeholt. Doch nur 150 Jahre später hatte der Raubbau derart verheerende Ausmaße angenommen, dass die Wälder bis auf einige klägliche Überbleibsel vollständig vernichtet waren. Schuld daran war der ungeheure Holzbedarf in der Blütezeit der Tokugawa-Dynastie. Holz wurde gebraucht für die Salz- und Hüttenindustrie und den Bau von Schiffen, Städten und Schlossanlagen. Holz diente als Brennstoff für die Öfen und Herde. Hinzu kam, dass die Landwirtschaft immer mehr Acker- und Weideland benötigte und dass die Bauern fast ausschließlich Dünge- und Futtermittel verwendeten, die aus den Wäldern stammten.
Im selben Maße, in dem die Waldzerstörung fortschritt, gingen jedoch die landwirtschaftlichen Erträge zurück, und es kam immer wieder zu Hungersnöten. In dieser katastrophalen Lage beschlossen der Shogun und die Daimyos, den Holzverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren und die Regeneration und Aufforstung der Wälder voranzutreiben.
Es wurde ein ausgeklügeltes Forstverwaltungssystem eingeführt, das bis ins letzte Detail regelte, wer, wo, wann, wie viel, wofür und zu welchem Preis Holz nutzen durfte. In allen Wäldern patrouillierten Wächter, die das illegale Fällen von Bäumen mit Waffengewalt verhinderten. An allen Landstraßen und Flüssen standen Wachposten, die keinen Holztransport durchließen, ohne ihn gründlich inspiziert zu haben. Um Holz einzusparen, wurde Kohle als Brennstoff verwendet. An die Stelle der traditionellen klobigen Holzhäuser traten grazile, aus Leichtbauelementen errichtete, und die Ofenheizungen wurden durch tragbare Kohlebecken ersetzt. Und um die Landwirtschaft zu entlasten, intensivierte man die Fischerei, dehnte sie auf die Tiefsee aus und erfand neue Fangmethoden.
Dass es Japan schließlich gelang, seinen Untergang abzuwenden, führt Jared Diamond auf mehrere günstige Umstände zurück. Begünstigt war Japan durch seine Böden, die jung sind, auf die viel Regen fällt, auf denen reichlich Vulkanasche niedergeht und die zusätzlich aus der Atmosphäre mit Nährstoffen versorgt werden. Außerdem gab es in Japan keine Ziegen- oder Schafshaltung. Und die Waldbewirtschaftung war so organisiert, dass sie außer den Machtinteressen des Shoguns und der Territorialfürsten auch den langfristigen ökonomischen Interessen der Bauern, Dorfvorsteher und Kaufleute diente.
Als der niederländische Seefahrer Jacob Roggeveen im Jahre 1722 die Osterinsel entdeckte, stieß er auf verwüstete Landschaften, eine verelendete Bevölkerung und Hunderte von Monumentalstatuen. Für Roggeveen war es ein Rätsel, wie die Statuen transportiert und aufgerichtet worden waren, denn die kümmerlichen Bäume, die auf der Insel wuchsen, waren für die Herstellung von Balken und Seilen unbrauchbar.
Als sich zu Beginn des 10. Jahrhunderts polynesische Auswanderer auf der Osterinsel niederließen, fanden sie dort paradiesische Verhältnisse vor. Einige Jahrhunderte später waren die einstmals üppigen Nahrungsquellen nahezu versiegt. Alle einheimischen Landvogelarten waren ausgerottet worden, und von den Seevogelarten hatte eine einzige überlebt. Die Jagd auf Delphine, Robben oder Meeresschildkröten war nicht mehr möglich, denn für den Bau von Kanus fehlte das Holz. Andere Meeresfrüchte wurden kaum noch erbeutet, und den wesentlichen Teil der fleischlichen Nahrung lieferten Hühner und Ratten. Aber auch die Erträge der angebauten Nutzpflanzen verringerten sich ständig, weil die Böden immer mehr verkarsteten und erodierten. Dass die Inselbewohner mit einem gigantischen Aufwand eine Steingartenkultur betrieben, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, war vergebens. Schuld an der ganzen Misere war der exzessive Holzverbrauch, der mit der restlosen Vernichtung der Wälder enden sollte.
Die Bäume wurden nicht nur gefällt, um sie zu verfeuern, Boote zu bauen oder Ackerland zu gewinnen. Aus Baumstämmen wurden die Schlitten, Schienen, Hebel und Seile hergestellt, mit denen die tonnenschweren Monumentalstatuen vorwärtsbewegt und aufgerichtet wurden. Und indem die Sippen und Häuptlinge einander im Bau immer kolossalerer Statuen und Plattformen zu übertrumpfen versuchten, verschleuderten sie die letzten Ressourcen.
Dass die Osterinsel-Gesellschaft ihrem eigenen Untergang tatenlos zusah, hat laut Diamond im Wesentlichen drei Gründe. Erstens die ruinösen Macht- und Prestigekämpfe, in die sich die herrschenden Kasten verstrickt hatten. Zweitens die Abgeschiedenheit der Insel, die die Bewohner daran hinderte, auszuwandern oder durch Handel mit benachbarten Gesellschaften oder Kriege gegen sie an Ressourcen zu gelangen. Drittens der Umstand, dass die Osterinsel-Gesellschaft das Pech hatte, mit einer äußerst empfindlichen Umwelt zurechtkommen zu müssen. Da die Insel arm an Niederschlägen ist und ihr kaum neue, von außerhalb stammende Nährstoffe zugeführt werden, konnte sie ihre Entwaldung und Auslaugung nicht verkraften.
Der amerikanische Geograph, Genetiker und Anthropologe Jared Diamond hat vor einigen Jahren die Erforschung der Geschichte der menschlichen Zivilisation revolutioniert - mit seinem Buch „Arm und Reich“, das den Entwicklungsvorsprung der Gesellschaften Asiens und Europas auf ihre privilegierten ökologischen Ausgangsbedingungen am Ende der letzten Eiszeit zurückführt. Auf ein nicht weniger ehrgeiziges Unterfangen hat sich Diamond mit seinem jüngsten Buch eingelassen: nämlich in allen Einzelheiten zu erklären, was Gesellschaften immer wieder dazu veranlasst, derart zerstörerisch in ihre Umwelt einzugreifen, dass sie Gefahr laufen, sang- und klanglos unterzugehen, und warum manche Gesellschaften schwere ökologische Krisen überstehen, andere aber nicht. Was Diamond dabei durch großangelegte vergleichenden Analysen an Zusammenhängen zu Tage fördert, ist oft verblüffend. Anfechtbar ist lediglich seine Behauptung, dass die schlimmsten ökologischen Krisenherde der Gegenwart - Afghanistan, Bangladesh, Burundi, Haiti, Indonesien, der Irak, Madagaskar, die Mongolei, Nepal, Pakistan, die Philippinen, Ruanda, die Solomonen und Somalia - exakt den Regionen mit dem höchsten Risiko von Umstürzen, Bürgerkriegen und Völkermorden entsprechen würden. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Eines der aufschlussreichsten Bücher über die Vorgeschichte, die Geschichte, die Ursachen und die Folgen der Umweltzerstörung überhaupt.
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21.12.2016
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